JVA Untermaßfeld: Lohnausfall für Gefangene und erste Verzweiflungstaten

GG/BO-Soligruppe Jena: Ca. 5 Stationen der JVA Untermaßfeld sind abgeriegelt, d.h. die Gefangenen haben getrennten Hofgang und dürfen nicht mehr auf Arbeit gehen. Grund dafür scheinen Corona-Verdachtsfälle oder vorbeugende Maßnahmen zu sein. Inhaftierte der JVA haben der GG/BO-Soligruppe Jena berichtet, dass sie dadurch auch ihren ohnehin schon kargen Lohn von 1-2 Euro die Stunde verlieren. Mindestens ein Gefangener hat Antrag auf Lohnfortzahlung gestellt – bislang ohne Ergebnis. Aufgrund des Lohnausfalls erhalten sie nur ein Taschengeld von ca. 30 Euro im Monat, woraus sie weder sich selbst angemessen versorgen, noch ihren Unterhaltsleistungen gerecht werden können. Einigen Familien draußen bricht damit ein Teil ihres Einkommens weg.

Die Coronakrise scheint sich bereits auf die geistige Verfassung der Gefangenen auszuwirken. Letzten Freitag, 20. März, hat ein Gefangener von der Station C die Hose, die er trug, in Brand gesetzt. Gestern, am 23. März, hat sich ein Gefangener von Station B die Arme aufgeschnitten. Für den Einzelfall kann man es natürlich nicht klar sagen, aber die Vermutung liegt nahe, dass es die Mischung aus Angst und Unsicherheit angesichts der drohenden Corona-Katastrophe im Strafvollzug, die Besuchs- und Ausgangsverbote, die fehlenden Informationen und Gerüchte sind, die die Gefangenen weiter zermürben und zu Verzweiflungstaten bringen.

Als Solidaritätsgruppe Jena der Gefangenen-Gewerkschaft wiederholen wir deswegen die Forderungen, die von den Gefangenen erhoben werden:

Transparenz und Informationen für die Gefangenen,
Rücknahme der Besuchs- und Ausgangsverbote,
Freilassung der Gefangenen.

Außerdem unterstützen wir ihre Forderung nach Lohnfortzahlung bei Ausfall der Arbeit aufgrund von Krankheit oder Quarantäne.

Jena, 24. März 2020

3 Kommentare

  1. Die ach so tollen Gefangenen sind schließlich selbst schuld dass die im Knast gelandet sind
    Sie sollten sich nicht noch über irgendwelche Dinge beschweren auch nicht in der Coronakrise
    Im übrigen Coronakrise geht uns alle etwas an nicht nur im Strafvollzug
    Ich bin für keinerlei Freilassungen von Strafgefangenen

    1. Nur weil unsere Gesellschaft so rückständig ist und ein Folterinstrument aus längst vergangenen Zeiten, das ja wohl nachweislich keine Kriminellen verhindert, immer noch anwendet, rechtfertigt diesen verächtlichen Umgang doch in keiner Weise.

      Können wir uns keinen anderen Umgang mit Menschen, die sich nicht an Gesetze halten, vorstellen? Einen menschenwürdigen? Kommen wir nicht endlich weg von dem Bestrafungsgedanken? Wie du mir, so ich dir? Selberschuld? Zahn um Zahn?

      Schon mal was davon gehört, dass es strukturelle Ungleichheiten gibt, in denen die meisten ’solcher‘ Leute sozusagen ‚gefangen‘ sind? Und dewegen kriminell sind/werden? Dann werden die auch noch real eingepfercht! Super Idee! Das ist ja so einfach. Problem gelöst, oder was?!
      Ich möchte ehrlich gesagt nicht in einer solchen Gesellschaft leben, in der wir so miteinander umgehen und diese Art von Folter und Menschenverachtung rechtfertigen. Ich würde gerne irgendwas dagegen tun… aber meine Meinung stößt meist nur auf Unverständnis.

      Ich bin schon lange gegen dieses Folterinstrument, Leute in engen Zellen zusammenzupferchen, sie zu behandeln wie Vieh, sie nachhaltig zu stigmatisieren etc. und das dann auch noch richtig, angemessen und gerechtfertigt finden!

      Der Zweck heiligt niemals die Mittel!

      Ich bin für die sofortige Freilassung!

    2. Liebe/r Frau/Herr „Anonymous“.
      Es fiel mir sehr schwer Ihren etwas komisch formulierten Text zu lesen. Nicht weil ich dumm bin, sondern weil überall Punkte und Kommata fehlen. Nur weil man sich im wunderbar – anonymen – Internet rumtreibt (in dem man sich einwandfrei seinen lange angesammelten Frust von der Seele schreiben kann), heißt das noch lange nicht, auf die deutsche Rechtschreibung und Grammatik verzichten zu müssen.. Aber egal, darum geht es ja auch gar nicht 🙂

      Ich frage mich doch ernsthaft, warum sich Menschen wie Sie, auf der Website der GEFANGENEN-Gewerkschaft bewegen? Es müsste Ihnen doch durchaus bewusst sein, das sich hier FÜR die Gefangenen eingesetzt wird. Mit Sicherheit spielt da die Neugier eine große Rolle, aber auch wie oben kurz angeschnitten, der eigene angesammelte Frust und die leichteste Übung der (häufig) geblendeten Menschheit – > Ver- und vor allem VORurteilen. Doch wäre es da nicht ratsam, einfach zu lesen und seine Meinung ausnahmsweise für sich zu behalten? Klar, wir sind in Deutschland und hier herrscht die sogenannte Meinungsfreiheit, aber wenn man doch tatsächlich nichts Produktives beizutragen hat, sondern sich einfach nur über diese Personen auslassen möchte, ist dies unter Umständen, an anderen Stellen angemessener. Wahrscheinlich ist Ihre Meinung (leider) aus einer negativen Erfahrung oder einfach nur Unwissenheit entstanden.. Eventuell könnten Sie mich dahingehend aufklären?
      Und da Sie so schön Vertreter der, ich zitiere: „Ich bin für keinerlei Freilassungen von Strafgefangenen“ – Menschen sind, würde ich Sie gerne darauf hinweisen wollen, dass es hier um wesentlich mehr als ein paar Kriminelle geht, die einfach nur so schnell wie möglich raus wollen, um weiter kriminelle Dinge zu tun. ‍♀️

      !Nebenbei wollte ich anmerken, dass ich hier nicht von Mördern oder Sexualstraftätern spreche!

      Warum sollte man einem Gefangenen, der nachweislich auch nur ein MENSCH ist, verwehren, sich zu beschweren?
      Sie sagen es doch, die Coronakrise geht uns ALLEN etwas an! Warum also gerade die Personen hier „angreifen“, die sich nicht mal selbst zu Wort melden können? Wahrscheinlich, weil Sie da am wenigsten mit einer Antwort/Auseinandersetzung gerechnet haben, oder?
      Solange es weiterhin Leute wie Sie gibt, die zu „allen“, NICHT ALLE zählen, wird das mit Frieden auf Erde wohl nie was. 😀

      Nun, Frau/Herr „Anonymous“,
      (schön, wenn man sich hinter der Anonymität verstecken kann, oder? )
      Haben Sie sich denn in den letzten Tagen/Wochen mal mit einem Insassen einer JVA beschäftigt?
      Wie würde es Ihnen persönlich dabei gehen, wenn Sie wüssten, Sie können Ihre Liebsten – denke das Datum wird eher noch weiter in der Zukunft liegen – voraussichtlich erst ab 19.04.2020 wieder sehen?
      Oder was würde es wohl mit Ihnen machen, wenn Sie beispielsweise zur Risikogruppe gehören würden und keine Möglichkeiten haben, um sich ausreichend vor einer Infizierung zu schützen?
      Auch die Ungewissheit, was „da draußen“ gerade so abgeht, kann der Psyche erheblich schaden!
      .. Und zu allem Übel, fehlt einem im nächsten Monat dann das Geld, von dem man sich zum Beispiel Dinge gekauft hat, die die nicht enden wollenden Nächte alleine im Einschluss, halbwegs erträglich gemacht haben.
      Bei aller Liebe, Sie würden sich unter solchen Umständen nicht beschweren? Nicht mal ein kleines bisschen Jammern, weil eh schon alles schei*e gelaufen ist? Vielleicht sollten wir auch tatsächlich nicht das Wort „beschweren“ verwenden, sondern einfach die Verzweiflung oder Traurigkeit wahrnehmen die hinter der „Beschwerde“ steckt.
      Eventuell sollten Sie auch mal an Angehörige denken, die dann so primitive Anmerkungen, wie von Ihnen lesen müssen. Für Sie, als Anonymer-Internet-Rambo, sind das nur ein paar wahrlos dahin geschriebene Worte, einfach um mal was dazu geschrieben zu haben. Für eine Person wie mich, können diese Worte „verletztend“ sein. Die Ihrer Meinung nach „Ach so tollen Gefangenen“, (existieren übrigens tatsächlich) sind zu Hause auch „nur“ Menschen wie Sie und ich! (um auf Ihre ‚betrifft uns alle‘-Aussage zurück zu kommen) Ein einfacher Mensch, ob als Vater, als Ehemann, großer Bruder, oder einfach der Sohn, einer sich sorgenden Mutter.

      Logisch, jeder ist für seine eigenen Taten und Handlungen verantwortlich und muss dann auch mit möglichen Konsequenzen rechnen, das ist klar, aber aus Ihrem Text kann ich nach wie vor nicht entnehmen, warum es Ihrer Meinung nach den Gefangenen nicht gestattet ist, sich zu beschweren? Sind das keine Menschen oder wo liegt der Fehler?
      Und das Argument „Selbst Schuld“, (welches eigentlich keines ist) will, kann und lass‘ ich so einfach nicht durchgehen. Sorry, aber da steckt einfach zu viel dahinter, um es mit „Selbst Schuld“ runter zu spielen. ‍♀️

      Also, Anonymous, sollten Sie tatsächlich die Geduld aufbringen um meine Antwort auf Ihren wahrlich sinnlosen und niveaulosen Kommentar, bis zum Ende durchzulesen, bin ich sehr gespannt, ob Sie dazu bereit sind, mir Ihre Meinung sachlich zu erläutern, damit ich den Gedankengang, der da dahinter steckt, verstehen kann. Dies würde ich sehr begrüßen!
      Alternativ, können Sie sich auch jeglicher Verantwortung zu Ihrem Kommentar entziehen und äußern sich dementsprechend nicht dazu. Allerdings bestätigen Sie mich damit umso mehr in MEINER Meinung, dass das einfach nur ein paar Worte zum „mitreden“ waren. ❤️

      „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“ – Albert Einstein –

      Schönes, erholsames Wochenende gewünscht.

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