Appell der GG an Gewerkschaften

APPELL
der Gefangenen-Gewerkschaft / Bundesweite Organisation
an (Basis-)Gewerkschaften und gewerkschaftliche Initiativen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir wenden uns konkret mit einem Aufruf an Euch. Unsere autonome Tätigkeit als Gefangenen-Gewerkschaft / Bundesweite Organisation (GG/BO) wurde von Beginn an seitens verschiedener Vollzugsbehörden blockiert (Zellenrazzien, Anhalten von Post etc.). Wir gehen davon aus, dass der Aufbauprozess der GG/BO auch morgen und übermorgen im Visier der Justizapparate stehen wird.

Wir wissen, dass wir mit unserer realisierten Idee der basisgewerkschaftlichen Gefangenenorganisierung eine Initiative losgetreten haben, die die übliche Lethargie hinter Gittern auf längere Sicht auf- und durchbrechen kann. Das stößt naturgemäß nicht auf Zustimmung und Wohlwollen in den Amtsstuben der Justiz-Bürokratie.


Unsere Kernforderungen nach einem Mindestlohn und eine Rentenversicherung für (arbeitende) Gefangene sind nicht nur legitim, sondern vor allem ein schlichtes Einfordern von sozialen Standards, die vor allem durch den gewerkschaftlichen Einsatz erkämpft wurden. Aber selbst diese sozialreformerischen Minimalstandards werden Inhaftierten vorenthalten. Im gewerkschaftlichen Kampf gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und Billiglöhnerei muss die Situation von inhaftierten Beschäftigten verstärkt ihre Berücksichtigung finden.

Die Anfänge sind durchaus gemacht; nun kommt es darauf an, dass wir unsere Strukturen als GG/BO vor und hinter den Knastmauern stärken. D.h. zum einen, dass wir hier wie dort unsere Mitgliederbasis ausweiten. Zum anderen zielen wir darauf ab, dass wir eine Aktionseinheit zwischen uns als GG/BO und Kolleginnen und Kollegen aus den Einzelgewerkschaften des DGB und den Basisgewerkschaften der FAU und IWW eingehen. Die Bildung von Kampfkartellen zwischen (basis-)gewerkschaftlichen, syndikalistischen und unionistischen Organisationen hat eine lange Tradition. Aber nicht nur das: Kampfkartelle haben sich als ein probates Mittel herausgestellt, um von unten gegen Schikanen und Willkürmaßnahmen von oben vorzugehen.

Wir haben uns auf den gewerkschaftspolitischen und juristischen Weg gemacht, um die volle Gewerkschaftsfreiheit hinter Gittern Stück für Stück zu erlangen. Die innergewerkschaftliche Solidarität schafft eine wichtige Grundlage, unsere Wehrhaftigkeit und Aktionsreichweite als GG/BO zu erhöhen. Lasst uns konkret zusammenkommen…

Oliver Rast
Sprecher der Gefangenengewerkschaft

1 Kommentar

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.