Folge 4: Repression in der tschechischen Republik

GG/BO Soligruppe Berlin:  Folge 4: „Operation Fénix“ zwischen Juni und Dezember 2015

Es ist unglaublich wie weit die Polizei geht, damit sie in der Öffentlichkeit Angst vor den bösen Anarchistin*innen produzieren kann.Sie nehmen fest und verhaften, wen sie wollen.“ ( Martin Ignacak in einem Brief aus dem Knast)

Am 26. Juni 2015 wurde unser Genosse Igor Sevcov, ein Anarchist mit russischer Staatsangehörigkeit, verhaftet und für einen Brandanschlag auf das Haus des tschechischen Verteidigungsministers Stropnicky beschuldigt. Ohne tatsächliche Beweise für die Tat wurde Igor unter strengsten Haftbedienungen gehalten, trotzdem schrieb er aus dem Knast:

Ich weiß, dass manche sich in viel schlimmeren Situationen befinden und es viel schwerer haben als ich. Ich denke daran und das hilft mir.

Am 9. Juni 2015 wurde Ales, einer von den vier gefangenen Anarchisten, entlassen. Neulich wurde er aber für eine andere Tat beschuldigt: für den illegalen Waffenbesitz (anstatt der Teilnahme bei der „Terrorangriffsvorbereitung“). Ales wurde nach mehrere Monaten in diesem Punkt verurteilt und mit der temporären Überwachung bestraft.

Ende des Sommers 2015 ging der Anarchist Lukas Borl in die Illegalität, weil er und seinenahen Menschen von der Polizei permanent verfolgt und belästigt wurdenLukas sagtedazu:

Ich will mich lieber verbergen statt im Knast oder in der Nervenklinik zu sitzen. Ich sehe vor mir jetzt nur diese drei Möglichkeiten und aus diesem Grund ist mein Wahl klar. Verschwinden so lang es noch möglich ist.

Am 25. September wurde Igor Sevcov (nachdem er eine Kaution bezahlte) entlassen. Petr und Martin blieben immer noch im Knast. Martin schrieb in einem im Brief:

Wir leben auf keinem Fall in einem freiem Land, es ist eine stille Diktatur. Wirklicher, aber wirkungsloser Stil einen Mensch zum Schweigen bringen.

Am 2. Dezember 2015 war Petr Sova wegen „prozeduralen Fehlern“ entlassen worden (der Staatsanwalt hatte nicht pünktlich genug die Anforderung erteilt, dass die Haftzeit von Petr verlängert werden sollte). In einem Gespräch erzählte er über die Rolle der polizeilichen Agenten:

Die Menschen in der Bewegung hießen sie mit einem Kuss auf der Wange (die Agenten, die Anmerkung Übersetz.*kollektiv) willkommen und falls sie etwas brauchen wurden, könnten sie (die Menschen der Bewegung) für sie (für die Agenten) alles tun. Und sie (die Agenten) versuchten uns währenddessen lebenslang in den Knast stecken.“

Im Winter 2015 wurde das Profil von Lukas Borl als gesuchte Person von der Polizei veröffentlicht, er wurde vom Staat als „gefährliche und bewaffnete Person“ beschrieben. Mit der Verfolgung von Lukas fing eine neue Phase der „Operation Fénix“: Fénix 2.

Aus dem Untergrund meldete Lukas:

„.Ich bin ein Anarchist und deswegen ein Rebell. Es bedeutet für mich viel. Unter anderem auch, dass ich durch den, gegen den ich rebelliere, gefährdet bin. Im Vergleich zu den anderen Rebell*innen haben wir es als Anarchist*innen komplizierter. Die Gefahr hängt über unseren Köpfen, egal zu welcher Zeit und an welchem Ort wir leben. In der Position als Kämpfer*innen gegen den Staat sind die Anarchist*innen ständig im Gefahr. Alle Anarchistin*innen müssen mit dem Bewusstsein, dass ihre Existenz in jeden Moment denharten Schlag der Staatsrepression spüren kann, leben.“

Es fanden weiterhin zwischen Juli und Dezember 2015 in der Tschechischen Republik so wie auch in anderen Ländern (Schottland, Schweden, Russland, Deutschland, Österreich, Australien…) viele Aktionen der Solidarität mit den Menschen, welchen Fénix traf, statt: Soligraffitis, Infoveranstaltungen, Solipartys, Performances, Kundgebungen und Demos vor den Knästen in Prag (Martins Geburtstag wurde zum Beispiel vorm Knast gefeiert). In Rahmen der Antifénix – Solidarität wurden mehrere Autos der tschechischen Polizei verbrannt und eine Pelztierfarm angegriffen.

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Berlin, 1. September 2018

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