Faschistische Strukturen im Knast: Angriff auf einen antifaschistischen Gefangenen

Soligruppe Berlin: Im folgenden Bericht beschreibt ein Gefangener einen faschistischen körperlichen Angriff im Knast, welcher von einem Mitgefangenen verübt und vom Personal insofern unterstützt wurde, als dass die Justizschweine dem Nazi-Gefangenen durch ihre eigenen faschistischen Haltungen im Knast den Raum bieten, seine Ideologie Praxis werden zu lassen. Der Bericht soll keine Angst vor Knastaufenthalten machen, sondern aufzeigen, wie gefährlich faschistische Strukturen innerhalb der Knäste sind und wie notwendig es ist, sich dagegen zu organisieren. Deswegen werden wir den Namen des Nazis und weitere Daten, welche uns vorliegen, an antifaschistische Strukturen (vor Ort) weitergeben. Wir haben uns dagegen entschieden, die Daten hier zu veröffentlichen, weil das dem angegriffenen Gefangenen noch mehr schaden, heißt weitere Angriffe nach sich ziehen könnte. Aus diesem Grund bleibt der Gefangene und auch der Knast, in welchem sich die beschriebene Situation abgespielt hat, anonym.

Derzeit ergeht es mir hier drinnen überhaupt nicht gut. Im Frühjahr 2019 [Zeitraum geändert zur Anonymisierung, Anmerkung Soligruppe] bin ich Opfer einer Gewalttat geworden. Ein Neonazi meiner Abteilung hat mich, ohne einen wirklichen und ersichtlichen Grund, zusammen geschlagen bzw. zusammengetreten. Der Angriff hat mir mehrere Tage Klinikaufenthalt in der Chirurgie eingebracht. Bei dem Angriff habe ich ein Schädel- Hirn- Trauma erlitten, diverse Prellungen am Oberkörper und Schädel, Riss- und Platzwunden am Schädel und im Kieferbereich, einen Riss im und am Ohr und leider auch einen zerstörten Zahn. Ebenso hat der Angriff natürlich auch seelische Verletzungen hinterlassen. Der Nazi hat mich feige von hinten angegriffen. Für mich besonders schlimm, die Tritte gegen den Schädel. Als ich am Boden lag, hat dieser scheiß Nazi mir dann noch mehrfach mit Schuhen gegen den Schädel getreten.

Der Nazi ist mir in den letzten Monaten vor der eigentlichen Tat besonders negativ aufgefallen. Dieser hat täglich und über einige Monate faschistische und antisemitische Parolen von sich gegeben. Es waren Aussagen wie „Heil Hitler“, „Sieg Heil“, „Lass das Messer in den Judenleib flutschen“. Zudem machte dieser immer wieder den sogenannten „Hitler Gruß“.

Den Neonazi selbst kenne ich persönlich nicht weiter. Ich habe nie mit ihm gesprochen, was ich auch niemals tun würde, denn mit solchen Menschen will ich nichts zu tun haben. Somit gab es eigentlich keinen wirklichen Grund für solch einen brutalen und feigen Angriff. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass der Angriff etwas mit meiner antifaschistischen Zugehörigkeit zu tun hat.

Was mich besonders getroffen hat ist, dass der Großteil meiner Abteilung und andere Abteilungen in meinem Hafthaus, dem Neonazi solidarisch gegenüberstehen und das ich als Antifaschist überhaupt niemanden hinter mir stehen habe. (…)

Nach dem Vorfall wurde ich seitens der Anstalt für 7 Tage in Isolationshaft genommen, obwohl ich nichts getan habe. Die Isolationshaft hat mir stark zu schaffen gemacht. (…) Dass ich isoliert wurde, habe ich als absolut ungerecht empfunden. Zudem konnte ich von Seiten der Justizschweine feststellen, dass einige von denen mit dem Neonazi solidarisch interagierten, was mich jetzt auch nicht wirklich wundert. Hier im Knast gibt es viele Faschisten von Seiten der Justizschweine. Oft habe ich mitbekommen, wie sie und die ein oder andere Abteilungsleitung über Ausländer, Migranten, anders Denkende usw. denken – halt faschistisch und rassistisch.

Insbesondere geh natürlich auch der Hass gegen Linke wie mich. Die Justizschweine und das eigentliche System des Knastes können mich auch deswegen schon nicht leiden, weil ich mich innerhalb der GG/BO beteilige und eben auch deswegen, weil ich aus einer linksradikalen Ecke komme und eine autonome Persönlichkeit bin, die sich vom System nicht zerficken lässt.

Auch, wenn es leichter gesagt als tatsächlich getan ist, ist es vor allem der letzte Satz des Gefangenen, welcher wichtig für alle Menschen hinter Gittern und auch draußen ist: lasst euch vom (Knast)System nicht zerficken, begreift die Situation, in welcher ihr euch befindet und das System, was dahinter steht. Sucht Wege, euch dagegen zu wehren. Faschismus hat Gesichter. Sie können benannt und ihnen begegnet werden.

Berlin, 16. Dezember 2019

Die von den einzelnen AutorInnen veröffentlichten Beiträge geben nicht die Meinung der gesamten GG/BO und ihrer Soligruppen wieder. Die GG/BO und ihre Soligruppen machen sich die Ansichten der AutorInnen nur insoweit zu eigen oder teilen diese, als dies ausdrücklich bei dem jeweiligen Text kenntlich gemacht ist.

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