Hungerstreik im Maßregelvollzug Bernburg „Wir fühlen uns wie Tiere gehalten“

Bernburg

Sechs Insassen des Maßregelvollzuges Bernburg haben am Mittwoch ihren Dienstagmittag begonnenen Hungerstreik fortgesetzt. Nunmehr verweigern sie nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch eine ärztliche Urin- und Blutdruckkontrolle, sagte der 26-jährige Sprecher der Gruppe.

Suchttherapie ohne Aussicht auf Erfolg

Wegen nicht hinreichender Aussicht auf Erfolg ihrer Suchttherapie war für das Sextett eine Überstellung in eine reguläre Justizvollzugsanstalt beantragt worden.

Die Patienten, die im Maßregelvollzug Haftstrafen wegen suchtbedingter Straftaten verbüßen, protestieren gegen die Lebensumstände auf der sogenannten Erlediger-Station, auf die sie am Freitag wegen laufender Reparaturarbeiten an der Trinkwasserleitung auf dem Klinik-Gelände verlegt worden sind.

Zu den Forderungen der Insassen zählen unter anderem Vorhänge an den Fenstern, ein Fernseher in jedem Zimmer, die Wiederherausgabe ihrer eingezogenen Feuerzeuge und das Ende der Tabak-Rationierung.

Das Ministerium bleibt hart

Das zuständige Landessozialministerium hatte indes jedoch bereits mitgeteilt, dass in den Zimmern weder TV-Geräte noch Vorhänge vorgesehen sind – zum Unverständnis der Streikenden, die nach eigenen Angaben auf ihren alten Erlediger-Station sehr wohl jeweils separate Fernseher und Feuerzeuge hatten.

„Wir fühlen uns hier wie Tiere gehalten, das ist reine Verwahrungshaft“, sagte der Sprecher der Insassen am Mittwoch im Telefonat mit der MZ. Es fehle unter anderem an Sportangeboten. „Im Gemeinschaftsraum gibt es einen Fernseher für sechs Mann und jeder will was anderes sehen“, schilderte er die Lage.

MZ-Leser haben kein Verständnis

Die Meinung der MZ-Leser, die sich auf der Internetoder Facebookseite bislang geäußert haben, ist eindeutig: Sie haben kein Verständnis für den Hungerstreik.

Hingegen hat sich inzwischen die Gefangenen-Gewerkschaft GG/BO mit den Streikenden solidarisiert und unterstützt deren Forderungen. Sie sieht in der Aktion eine emanzipatorischen Schritt, um Missstände nicht nur anzuprangern, sondern auch Rechte einzufordern. „Die Protestierenden wenden sich gegen die desolaten baulichen, medizinischen und therapeutischen Zustände im Bernburger Maßregelvollzug“, heißt es wörtlich in einer Stellungnahme von Gewerkschaftssprecher Oliver Rast.

Sieben Straftäter flohen seit Januar

Allein in diesem Jahr sind aus dem Bernburger Maßregelvollzug sieben suchtkranke Straftäter geflohen. Sechs der Gesuchten wurden wieder eingefangen. Weiterhin jede Spur fehlt dagegen von dem 35-jährigen Andreas Weiß. Der wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung verurteilte Mann ist schon seit dem 15. Juni verschwunden.

Er wird von der Polizei in seinem ehemaligen Wohnumfeld im Bereich Wernigerode/Halberstadt vermutet. Er gilt unter Alkohol- und Drogeneinfluss als gefährlich. (mz/tad)

Quelle: http://www.mz-web.de/25385818 ©2016

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