Haftenlassung aus Frankreich – Grußwort von Georg Huß

Unser Freund und Genosse Georg Huss ist am 05.07.17 aus dem Knast Molouse in Frankreich entlassen worden. Er hat mehrere Hungerstreiks hinter sich und ist Mitbegründer der GG/BO R.A.U.S. (österreichisches Pendant der GG/BO). Wir freuen uns, dass er wieder auf freiem Fuß ist!

Georg Huss bezeichnet sich selbst als Hanfaktivist und saß von den letzten 15 Jahren ca. 8 Jahre im Knast. Die ersten 3,5 Jahre war er in Bayern inhaftiert wo er erstmals das Knastsystem kennen lernte und auch dort schon Widerstand – vorerst aber noch individuell und ohne eine größere Organisation, wie die GG/BO, die es damals noch gar nicht gab – leistete. 14 Monate vor seiner Entlassung kam er von einem Hafturlaub nicht zurück und war fünf Jahre in unterschiedlichsten Ländern auf der Flucht.

Seine nächste Zeit hinter Gittern musste er in Österreich absitzen, wo er im Herbst 2015 die GG/BO R.A.U.S. mit begründete. Vier mal wurde er in den nächsten zwei Jahren verlegt, da er sich nicht anpasste und gegen die Schikanen des Knastalltags zu Wehr setzte. Auch das Engagement in der GG/BO war dafür ebenfalls Grund, da das österreichische Justizministerium versucht hat mit allen Mitteln den Aufbau der Gewerkschaft im Kein zu ersticken. Widerstand dagegen hat er unter Anderem mit Hungerstreiks (drei Monate und zweieinhalb Monate) oder mit einer Aktion mit dem Motto „Wir lassen uns nicht mundtot machen“ geleistet. Hierbei nähte er sich sieben Tage lang den Mund zu, da ihm unter anderem jeglicher Briefkontakt untersagt wurde oder ihm und Mithäftlingen Hygieneartikel von der Gefängnisleitung vorbehalten wurden.

Huss selbst sieht seinen Protest als Kunstform an und hat „als einzige Waffe seinen Körper um sich wirklich gegen das Knastsystem zur Wehr setzen zu können“. Von den vier Jahren zu denen er verurteilt wurde, musste er in Österreich nur zwei Jahre absitzen, hat aber nun zehn Jahre (statt den üblichen, gesetzlich legitimierten fünf Jahren) Aufenthaltsverbot auf österreichischem Staatsgebiet.

Wieder auf freiem Fuß widmete er sich umgehend der Arbeit draußen und machte Vortragsreisen zum Thema Knast in ganz Europa, bis er eines Tages aufgrund von Cannabisbesitz in Frankreich zu 12 Monaten, von denen er 7 Monate in Molouse/Mühlhausen abgesessen hat, verurteilt wurde. Diese Monate verbrachte Huss in einem Gefängnis in dem auf Zelle Wände schwarz vor gesundheitsschädlichem Schwarzschimmel sind und der nasse Putz von den Wänden bröckelt. „Die Zustände der Haftanstalt aus dem Jahr 1870 gehören demnach zum Schlimmsten, was Personal und Gefangenen in Frankreich zugemutet wird.“ titelte selbst die Badische Zeitung 2010. Georg selbst sagt: „PETA würde einschreiten wenn Hunde so behandelt würden.“ Natürlich ging er auch hier gegen die desolaten und menschenwürdigen Zustände vor und startete am 01.01.17 einen Hungerstreik. Diesen beendete er nach 2,5 Monaten, von denen er auch 3 Tage keine Flüssigkeit zu sich nahm, aufgrund von gesundheitlichen Problemen (Liste der Forderungen). Große Unterstützung erfuhr er in Frankreich von Anti-Knast-Organisationen wie l‘envolée und der o.i.p., ohne die er den Protest in der Form nicht hätte ausführen können. Der Knast in Molhouse wird mittlerweile renoviert, vergammelte Matratzen ausgetauscht und andere Veränderungen werden umgesetzt, die den Insass*innen zu gute kommen umgesetzt.

Georg Huß ist persönlich, aber auch durch die GG/BO europaweit gut vernetzt und pflegt Kontakte zu vielen anderen aktiven Gefangenen. Er selbst sagt, dass er in Österreich sowie auch in Frankreich den Vorteil hatte Ausländer zu sein und somit über Botschaften und Konsulate Druck ausüben zu können. Ansonsten wird laut ihm innerhalb des Systems in einem Land vieles so gut es geht unter Verschluss gehalten.

Neben den Forderungen der GG/BO setzt sich Georg Huss, gerade auch weil er selbst die Erfahrung gemacht hat in einem Land einzusitzen, in dem er die Sprache nicht spricht im Besonderen für Ausländer*innen ein. Gerade auch für die, die nicht so privilegiert sind wie er und keinen europäischen Pass besitzen. Er kämpft zum Beispiel mit ihnen gemeinsam gegen Abschiebung aufgrund von kriminellen Handlungen oder die anschließenden Aufenthaltsverbote in den jeweiligen Ländern, von denen er auch selbst betroffen ist. Außerdem kämpft er konsequent und mit allen Mitteln die ihm zur Verfügung stehen gegen die menschenunwürdige Behandlung der Insass*innen in allen Knästen. Das obwohl er selbst schon starke gesundheitliche Einschränkungen aufgrund der drei Hungerstreiks, die er bis jetzt gemacht hat in Kauf nimmt.

Auch wenn Georg Huß jetzt wieder draußen ist, für ihn ist klar: der Kampf geht weiter! – Egal ob in Gefangenschaft oder in „Freiheit“!

Kontaktiert ihn via:
GG/BO Soligruppe Leipzig
Georg Huß
c/o linXXnet
Bornaische Str. 3d
04277 Leipzig
Georg Huß: +49 159 039 42813

5 Kommentare

  1. Ich freue mich dass Du wieder in Freiheit bist!
    Danke für Deinen Kontakt , gestern und heute wir bleiben in Verbindung mein Lieber Leidensgenosse.
    “ Der Kampf geht weiter, wohl oder auch übel “
    Hoch lebe unsere Solidarität und lang die GG/BO ( Raus ).

  2. Willkommen bei der notwendigen Arbeit von draußen.
    Es war hilfreich für uns, wie Du Dich von drinnen neben allen
    anderen „Fronten“ für GG-Basisaktivitäten interessiert
    und engagiert hast. Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit.
    Elke & Co

  3. Hallo Kumpel, Du hast es etwas schneller geschafft als ich. Freue mich, dass Du draußen bist! Ich komme auch bald raus. Und dann können wir hoffentlich zusammen kämpfen gegen das Knastsystem. Aber so lange ich noch in Wuppertal sitze, kannst Du mir ruhig noch mal schreiben.
    André Moussa

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